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Eine Stimme, die ich kannte

vor 3 Stunden
2 Min. Lesezeit

Den „Jedermann“ – Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes von Hugo von Hofmannsthal – musste frau unbedingt einmal gesehen haben, und idealerweise auf der Bühne vorm Salzburger Dom im Freien.

Bei schlechtem Wetter wird die Vorstellung nach innen in das Schauspielhaus verlegt.

Und welch ein Glück wir hatten: strahlender Sonnenschein bei mehr als 30 Grad Celsius zu Vorstellungsbeginn um 17 Uhr. Mit Sonnenhut und Wasserflasche ließ es sich aushalten.

Und es ging los: der Dom als Kulisse, sonst fantastisch reduziert, elegant weiß dominiert – und Philipp Hochmair glänzte im goldenen Anzug. Dramatisch und wunderbar.

Die große Überraschung kam ganz leise daher, als der arme Nachbar – diesmal eine Frau – zu sprechen begann. Die Stimme gehörte einer Schauspielerin, die ich nur aus dem TV kannte: Meike Droste war also in die Rolle der Nachbarin geschlüpft und war auch als „Werk“ zu sehen und zu hören. Ihre Stimme empfand ich schon immer als wunderschön. Sie war mir an der Seite von Caroline Peters in der TV-Serie „Mord mit Aussicht“ als Polizistin Bärbel Schmied in den Jahren 2008 bis 2014 bekannt. Ach wie schön, sie hier zu sehen.

Als der Jedermann am Ende ins Licht ging und alle im Dom verschwanden, war ich erfüllt von tiefster Dankbarkeit. Dieses klassische Stück in solch einer Besetzung mit wunderbarer Regie und Inszenierung gesehen zu haben. Die Zuschauertribüne verließ ich nach hinten mit vielen anderen, sehr langsam und zivilisiert, die meisten andächtig in sich versunken.

Unten angekommen, ging ich rund um das Gerüst, als sie plötzlich vor mir stand: gar nicht mehr Bettlerin, sondern in Privatkleidung. Meike Droste hatte sich im Nebengebäude umgezogen und machte sich wohl auch auf den Heimweg. Hoch erfreut, fast euphorisch sprach ich sie an und sagte ihr, wie sehr sie mir gefallen hatte und was das für eine Überraschung für mich gewesen war, ihre Stimme so unverhofft zu vernehmen. Sie freute sich sehr über das Lob. Und sie erzählte mir, dass es auch für sie sehr überraschend gewesen war, kurzfristig einzuspringen – nur acht Tage hatte sie zur Vorbereitung gehabt. Ich gratulierte ihr zu dieser tollen schauspielerischen Leistung. Beide sichtlich erfreut, trennten wir uns. Was für eine schöne Begegnung.

Das musste ich doch gleich meiner Freundin und meinem Freund erzählen, die ich am vereinbarten Treffpunkt am Residenzplatz wieder traf. Wir tauschten unsere ersten Eindrücke über das Stück aus, als Mr. Jedermann himself – Philipp Hochmair, nun in Zivil – auf einem Fahrrad aus einer Seitengasse kam und langsam Richtung Salzach dahinglitt. Wir waren kurz sprachlos.

Das gibt’s nur in Österreich – Schauspielerinnen und Schauspieler, echte Stars, unterm ‚Volk‘ ganz ungezwungen und nebenbei.

Mein schönster Moment des Abends war aber schon vorher gewesen: ein persönliches Gespräch mit einer Schauspielerin mit wunderbarer Stimme, die ich schon immer so gern gehört habe.

 
 
 

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