Die Sache mit den 123 Stufen
Über mein erstes Apartment in Madrid
Gesucht und gebucht über Booking.com.
Location selbst ausgewählt, sehr zentral, nahe Embajadores (U-Bahn- und Cercanías-Station). Schön klingende Adresse (Calle de Laurel).
Double-Check der Lage von einer in Madrid lebenden Bekannten.
Also, meiner Meinung nach alles richtig gemacht.
Bei Buchung schenkte und organisierte mir Booking.com eine Taxifahrt vom Flughafen zum Apartment. Was für eine positive Überraschung – da kam Freude auf.
In Kürze: Flug sehr fein. Die Suche des Taxifahrers war eher schwierig. Irgendwie hatte er mich gefunden und in gut 30 Minuten in die Calle de Laurel gebracht. Und dann:
Begrüßung durch den Vermieter Alberto beim Eingangstor, er hatte mich bereits über WhatsApp kontaktiert.
Der Zugang zur gemieteten Wohneinheit verlief wie folgt:
Alberto: „The apartment is on the 5th floor. There is an elevator up to the 4th floor. It is okay. I put only the suitcase into it. We can walk." Ich hatte den Eindruck, dass er keine Widerrede akzeptieren würde.
Wir stiegen die schmalen Stufen hinauf, die mit einem braunen Teppichbelag versehen waren. Sehr schummrig, überhaupt kein Tageslicht, dafür wurde jedes Mal beim Passieren einer Ecke Licht durch Bewegungsmelder ausgelöst. Die schmale Treppe führte zuerst vier Stockwerke gegen den Uhrzeigersinn, dann noch einige Etagen im Uhrzeigersinn.
Das Zählen und Achtgeben fiel etwas schwer, da auf jedem Geschoß etwas zwischengelagert wurde, das es zu überwinden galt:
Nummer # 1 Citybike … Marsch ums Eck:
Nummer #2 Surfboard ... Kaum erblickt, erzählte mir Alberto, dass er demnächst wieder nach San Francisco reisen wird. Schnauf schnauf zu
Nummer #3 eine ca. 3 m x 2 m große Gipsplatte: Die Geschichte dazu: Er wäre dabei, das gesamte Gebäude zu renovieren. Weiter ums nächste Eck wartete
Nummer #4 ein riesiger Blumenstock voller Staub, dann ums Eck durch ein Eingangstor in einen Wohnbereich mit Laminatboden. Hier stand Nummer #5: eine Gitarre. Es folgte eine Geschichte übers Gitarre spielen und sein musikalisches Talent. Als ich seine Frage nach meiner Herkunft mit „Austria" beantwortete, hakte er sofort ein, und erzählte mir, wie toll er das „Edelweiß" fände. Wir passierten Nummer #6 Bügelbrett und Nummer #7 Kleiderstange und gingen an einer rot gestrichenen Stahltür vorbei (war da wohl eine Wohnung dahinter?). Nun waren wir im 4. Stock angekommen, denn Alberto holte den Koffer mit folgenden Worten aus dem Lift.: „Don't worry, the lift is okay. You can use it."
Und weiter, diesmal durch eine schmale Holztür hinauf, und auf einer steilen Stiege im Uhrzeigersinn weiter. Und es wurde heller: Wir waren im 5. Stock angelangt, der Raum öffnete sich: neben einem riesigen Tisch führten Glastüren auf eine wunderschöne Terrasse. Nun ging es erstmal geradeaus in die Küche. Der kleine Raum war so niedrig, dass ich auf der rechten Seite, wo der Wasserkocher stand, den Kopf einziehen musste.
Und zu dem von mir gemieteten Apartment ging es noch weiter rauf, an einer kleinen zweiten Terrasse vorbei, und wieder ums Eck. Und da war noch eine Holztür, die er stolz mit einem Schlüssel aufsperrte, den er mir gleich in die Hand drückte: Wir waren endlich angekommen: Dieses Apartment sollte nun für die nächsten 7 Tage mein Domizil sein:
Ein großer Raum mit einem Doppelbett, zwei weitere Einzelbetten, alte Regale, Kleiderstange, zwei fake-Rokokosessel, ein schmaler Tisch in der Mitte, ein Sideboard mit einem kleinen TV-Gerät. Drei der vier Wände waren komplett mit Glasfenstern versehen, Doppelglas? Nicht wirklich, Jalousien befanden sich zwischen den Glasfenstern, und die äußeren Fensterläden konnten nicht geschlossen werden. Wohl um mich vom desolaten Zustand der Fenster abzulenken, erklärte Alberto: „There is an air condition. You can use it." Da die Luft etwas stickig war, ließ ich mir noch das Öffnen der Fenster zeigen. Dabei vergaß ich, mir auch die Anleitung fürs Wieder-Schließen geben zu lassen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Schnell auspacken und frisch machen für den ersten Spaziergang in Madrid. Ich ging die vielen Stufen wieder hinunter, mit der Absicht, in den zukünftigen Tagen den Lift zu nehmen.
Zu der Zeit wusste ich noch nicht, dass er immer mit Baumaterial oder sonstigem Zeug vollgeräumt sein würde. So hatte ich täglich mindestens zwei Möglichkeiten, die Stufen und Stockwerke zu zählen.
Bei den Stufen war ich mir nach einer Woche zählen sicher: es waren 123.
Bei der Anzahl der bewohnten Geschoße nicht: vier oder doch fünf? Vale…¡Hasta la próxima!“





Unglaublich, das war ein Hotel von booking.com? Und wie wurde es bewertet? War es in der Nacht hell, zu hell, oder war es eine tolle Ausicht und ein eindrucksvoller Sternenhimmel?